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Physiotherapie nach knorpelchirurgischen Eingriffen

Die Physiotherapie stellt einen wesentlichen Bestandteil in der Behandlung von operativ versorgten Knorpelschäden dar. In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass die Qualität und Frequenz der postoperativen Physiotherapie das Ergebnis der Operation stark beeinflusst. Im Weiteren ist die Mitarbeit der PatientInnen ein sehr wichtiges Kriterium, das den Erfolg dieser Behandlungsmethoden bestimmt. Uns ist es sehr wichtig, dass unsere PatientInnen genauestens darüber informiert sind was die Behandlung beinhaltet und was der Grund dafür ist. Daher möchten wir Ihnen hier einen Überblick über die postoperative Physiotherapie geben. Allerdings möchten wir auch betonen, dass es keine „Behandlungsrezepte“ gibt und die Inhalte der Physiotherapie auf Ihre persönlichen Bedürfnisse abgestimmt werden.

Abb 1: Kniegelenksorthese

Warum Physiotherapie nach der Operation?

Das Ziel der Physiotherapie nach operativer Behandlung von Knorpelschäden im Kniegelenk ist  ein optimales Einwachsen der gezüchteten Knorpelzellen (nach der Knorpelzelltransplantation) bzw. ein optimaler Umwandlungsprozess der  Blutstammzellen zu Faserknorpel (nach der Mikrofrakturierung) und eine optimale Integration bei gleichzeitiger Erhaltung der Kniegelenksfunktion zu gewährleisten. Vor allem in den ersten sechs Wochen ist das Transplantat sehr weich und noch nicht in das umliegende gesunde Knorpelgewebe integriert. Die bei Aktivitäten im Alltag auftretenden Kompressions- und Scherkräfte würden das Transplantat schädigen, weshalb entsprechende schützende Maßnahmen gesetzt werden müssen. Diese beinhalten unter anderem Teilimmobilisation und reduzierte Belastung des Gelenkes. Teilimmobilisation bedeutet, dass Sie Ihr Kniegelenk eine kurze Zeit nicht im vollen Bewegungsausmaß bewegen dürfen. Damit es Ihnen leichter fällt dies einzuhalten, bekommen Sie eine sogenannte „Kniegelenksorthese“ (siehe Abbildung 1).

Reduzierte Belastung bedeutet, dass Sie für einen gewissen Zeitraum zum Gehen Krücken benötigen, um das Gelenks teilweise zu entlasten – allerdings ist es wichtig das Kniegelenk nicht komplett zu entlasten sondern ein wenig Belastung auf das betroffene Bein zu bringen. Der Zeitraum der Teilimmobilisation und der reduzierten Belastung hängt von der Lokalisation und Größe Ihres Knorpelschadens, sowie von der Art der Operation ab. Im Durchschnitt benötigen Sie die Kniegelenksorthese 2-4 Wochen und die Krücken 6-8 Wochen.

Vielleicht werden Sie sich fragen:“ Warum bekommen ich keinen Gips und wieso entlaste ich mein Bein nicht komplett, wenn das so gefährlich ist?“  Der Grund dafür liegt darin, dass komplette Immobilisation und Entlastung Bewegungseinschränkungen, massiven Kraftverlust und den Verlust der Koordination mit sich ziehen würden. Die daraus resultierende  Dysfunktion des Gelenkes beeinflusst wiederum das Einheilen der Knorpelzellen bzw. den Umwandlungsprozess der Blutstammzellen negativ.

Um diesen Anforderungen in der Physiotherapie gerecht zu werden, müssen einerseits bei der Erstellung eines Nachbehandlungskonzeptes verschiedene Faktoren wie z.Bsp. die Physiologie des gesunden Knorpels,  der Einheilungsprozess des Transplantates, die Anatomie und Biomechanik des betroffenen Gelenkes sowie die Grundlagen der Bindegewebsphysiologie berücksichtigt werden. Daher erfordert die Physiotherapie nach Operationen am Gelenksknorpel ein spezielles Know-How von Seiten der PhysiotherapeutInnen als auch sehr viel Erfahrung in diesem Bereich.  Beides können wir Ihnen bieten.