english / deutsch

Wie sieht die Physiotherapie im Detail aus?

Die physiotherapeutische Behandlung dauert im Schnitt 12 Wochen. In den ersten 4 Wochen sind insgesamt ca. 3-4 Sitzungen notwendig, danach sollten 2 Sitzungen pro Woche absolviert werden. Wichtig ist es, dass Sie das auf Sie individuell zugestimmte Programm auch selbständig durchführen.

Nach diesen 12 Wochen wird per Email (wenn gewünscht auch persönlich) der weitere „Fahrplan“ besprochen. Dies geschieht in enger Abstimmung mit unseren ÄrztInnen.

Die Physiotherapie verfolgt folgende Ziele:

  1. Langsamer Belastungsaufbau
  2. Freie aktive und passive Beweglichkeit
  3. Statische und dynamische Stabilisierungsfähigkeit des Gelenkes durch rehabilitatives Krafttraining und Koordinationstraining.

1. Langsamer Belastungsaufbau

Sie bekommen unmittelbar postoperative Krücken, damit Sie das Bein nur teilweise belasten. Das Ausmaß der erlaubten Belastung hängt von der Lokalisation und Größe Ihres Knorpelschadens und von der Art der Operation ab. Nach der Entlassung aus dem Spital wird sukzessive am Aufbau der Belastung gearbeitet – dies geschieht sehr langsam und kontrolliert, so dass  sich das Gelenk langsam an die Belastung gewöhnen kann.

2. Freie aktive und passive Beweglichkeit

Bewegung ist für den Gelenksknorpel sehr wichtig. So kommt er zu essentiellen Nährstoffen. Sie dürfen -  und sollen sogar – das Kniegelenk nach der Operation bewegen. Dies geschieht passive mittels der Motorschiene (siehe Video) als auch aktiv. Zusätzlich erarbeiten Sie mit den PhysiotherapeutInnen spezielle Bewegungsübungen. Diese Übungen sind vor allem in jener Phase wichtig, in der das Gelenk noch nicht ganz belastet werden darf

3. Statische und dynamische Stabilisierungsfähigkeit des Gelenkes durch rehabilitatives Krafttraining und Koordinationstraining

Krafttraining und Koordinationstraining sind wesentliche Bestandteile der Physiotherapie nach knorpelchirurgischen Eingriffen. Muskelkraft und Koordination tragen sehr viel zu einer guten Gelenksfunktion bei. Ist die Muskelkraft gut ausgeprägt und sind Ihre koordinativen Fähigkeiten gut, dann können Sie damit den Knorpel entlasten. Da allerdings bei beiden Trainingsformen der Gelenksknorpel belastet wird, ist eine ganz spezielles  - auf den Knorpel abgestimmtes -  Trainingsprogramm notwendig.

Krafttraining sollte vor allem in der ersten Phase so ausgeführt werden, dass nicht allzu große Scherkräfte im operierten Bereich auftreten.

Es ist daher wichtig, die genaue Defektlokalisation und Defektgröße zu kennen, um in einem Bewegungsbereich zu trainieren, der den Einheilungsprozess der  transplantierten Knorpelzellen bzw. den Umwandlungsprozess der Blutstammzellen zu Faserknorpel nicht negativ beeinflusst.

In Abhängigkeit der möglichen Belastung liegt der primäre Schwerpunkt des Koordinationstrainings im Beinachsentraining (siehe Abbildungen 2 und 3) mit dem Ziel einer optimalen Belastungsverteilung im Kniegelenk.

Abb 2: schlechte Beinachse
Abb 3: korrigiert Beinachse

Wir variieren Ausgangspositionen und Unterlagen und arbeiten beidbeinig und einbeinig. Um mehr Stabilität und so auch mehr Sicherheit zu bekommen, ist neben der statischen Stabilisierung auch die dynamische Stabilisierung des Kniegelenkes wichtig. Wir verwenden klassische labile Übungsgeräte und steigern von unbelasteten zu belasteten Positionen und von statischen zu dynamischen Übungen.