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Entwicklung der Knorpeltransplantation und Knorpelzelltransplantation

 

Versuche mit Knorpel- und Gelenktransplantationen finden sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erich Lexer, ein deutscher Chirurg, unternahm im Zeitraum 1907 bis 1925 entsprechende Versuche, die aber keinen Erfolg hatten. Diese frühen Versuche mit Transplantationen von Gelenkknorpelteilen oder ganzen Gelenken bezweckten die Wiederherstellung der Gelenkfunktion nach Unfällen oder bei angeborenen Krankheiten. Dem tschechischen Arzt M. Jaroš gelang im Jahr 1958 die erste erfolgreiche Transplantation eines ganzen Hüftgelenkkopfes, wobei das Transplantat von einem Unfallopfer stammte - es handelte sich also um eine so genannte allogene Transplantation.

Heute versteht man unter Knorpeltransplantation nur den Ersatz von Knorpelgewebe, ohne gleich das ganze Gelenk oder grössere Teile davon (d.h. Knochen und Knorpel) zu ersetzen. Erste Berichte über erfolgreiche Knorpeltransplantationen im modernen Sinn stammen aus den 1960er Jahren. So soll H. Wagner 1964 erste Knorpeltransplantationen im Kniegelenk vorgenommen haben, wobei der Knorpel vom Patienten selbst stammte (autologe Transplantation). In den 1980er Jahren folgten dann erste Versuche mit allogenen Knorpeltransplantationen. Heute stehen somit verschiedene Varianten von Knorpeltransplantationen zur Verfügung, die eine gute Behandlungsoption bei Gelenkschäden darstellen.

Bei allogenen Transplantationen sind spendende und empfangende Person genetisch unterschiedlich, jedoch derselben Art angehörend. Transplantationen von Organen, Geweben oder Zellen von einem Menschen auf einen anderen sind demnach allogen - ausser wenn Spender und Empfänger eineiige Zwillinge sind (dann spricht man von einer «syngenen» Transplantation).

Bei autogenen Transplantationen sind die spendendende und empfangende Person ident und es handelt sich um dasselbe Individuum. Synonym verwendet wird auch der Begriff «autolog» verwendet.

Zu Beginn der 1990er Jahre entwickelten schwedische Mediziner ein neues Verfahren der autologen Knorpelzelltransplantation. Dabei injizierten sie Knorpelzellen direkt in ein Gelenk. Die Knorpelzellen bildeten schliesslich neues Gewebe. Die Methode zeigte ermutigende Erfolge und wird heute von verschiedenen Teams angewendet.

Als Voraussetzung für die Zelltransplantation gilt ein umschriebener Gelenkknorpeldefekt in der Größe von 2 - 10 cm², bei intakten Bandverhältnissen, geraden Beinachsen und vorhandenen Menisci und dem Alter der Patienten zwischen 19 und 50 Jahren. Eine generelle Gelenkabnützung (Arthrose) stellt derzeit keine Indikation für die Durchführung einer Knorpelzelltransplantation dar.

Die einzelnen Schritte der autologen Knorpelzelltransplantation bestehen aus der Arthroskopie mit Knorpelbiopsie, der Zellkultivierung und Transpantatherstellung und der nachfolgenden Implantation des Transplantates.