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Zelltherapie aus eigenem Knochenmark

Knochenmark aus dem Beckenkamm ist eine wichtige Quelle körpereigener Stamm- und Vorläuferzellen. Umgangssprachlich wird die Behandlung häufig als „Knochenmarkstammzelltherapie“ bezeichnet.

Das Präparat besteht jedoch nicht ausschließlich aus Stammzellen, sondern aus einer heterogenen Mischung aus mononukleären Zellen, hämatopoetischen und stromalen Vorläuferzellen, Thrombozyten, Immunzellen, Plasma und Signalstoffen.

Stammzelltherapie aus Fettgewebe, Knochenmark und Blut zur Unterstützung des Gelenkerhalts

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Entnahme

Vorderer oder hinterer Beckenkamm

Präparat

BMA oder konzentriertes BMAC

Systeme

Jamshidi, Marrow Cellution™, Angel® und Miracell®

Wichtige medizinische Einordnung

Mesenchymale Stromal- und Vorläuferzellen bilden nur einen sehr kleinen Anteil des Knochenmarkpräparates. Auch BMAC ist keine reine Stammzelllösung.

Warum wird Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen?

Der Beckenkamm bietet ein vergleichsweise großes und gut zugängliches Knochenmarkreservoir. Abhängig von Lagerung und geplantem Eingriff erfolgt die Entnahme am vorderen oder hinteren Beckenkamm.

  • ausreichendes Knochenmarkvolumen
  • gute operative Zugänglichkeit
  • Eignung für ambulante und operative Verfahren
  • Kombination mit Knorpel-, Knochen- oder Matrixverfahren

Wovon hängt die Aspiratqualität ab?

Entscheidend sind kleine Einzelaspirationsvolumina, mehrere Entnahmepositionen, die Veränderung der Nadelausrichtung und die Vermeidung einer übermäßigen Verdünnung durch peripheres Blut.

BMA – Bone Marrow Aspirate

Das unmittelbar aus dem Knochenmarkraum gewonnene Aspirat. Es kann ohne weitere Konzentration eingesetzt oder mit Matrix-, Knochen- beziehungsweise Knorpelverfahren kombiniert werden.

BMAC – Bone Marrow Aspirate Concentrate

Ein größeres Ausgangsvolumen wird durch Zentrifugation auf ein kleineres Endvolumen konzentriert. Das Endprodukt bleibt eine heterogene Zellmischung.

Zwei Schritte müssen getrennt betrachtet werden

Jamshidi und Marrow Cellution™ sind primär Entnahmetechniken. Angel® und Miracell® sind Systeme zur anschließenden Aufbereitung beziehungsweise Konzentration.

Jamshidi-Nadel

Eine etablierte Aspirations- und Biopsienadel für den Zugang durch die äußere Kortikalis in den Knochenmarkraum.

  • klassischer weit verbreiteter Zugang
  • Qualität stark von Technik und Erfahrung abhängig
  • Kombination mit Angel® oder Miracell® möglich

Marrow Cellution™

Ein multidirektionales Entnahmesystem mit seitlichen Öffnungen und kontrollierter Repositionierung innerhalb des Knochenmarkraumes.

  • kleine Mengen aus mehreren Positionen
  • Ziel: weniger Verdünnung durch peripheres Blut
  • zellreiches, nicht zentrifugiertes BMA

Angel® System

Ein automatisiertes Zentrifugations- und Zellseparationssystem. Das separat gewonnene Knochenmarkaspirat wird sensorbasiert in Zellschichten getrennt.

  • automatisierte Zentrifugation
  • anpassbare Leukozyten-, Thrombozyten- und Endvolumenparameter
  • heterogenes konzentriertes Präparat

Miracell® SMART M-CELL

Ein automatisiertes System zur Dichtetrennung von Blut oder Knochenmark. Für Knochenmark wird ein spezielles BmSC-Kit eingesetzt.

  • zellreiche Fraktion
  • mononukleäre und variable Vorläuferzellpopulationen
  • Thrombozyten, Plasma und variable Restanteile roter Blutkörperchen

Wie wird die Qualität beurteilt?

  • Gesamtzahl kernhaltiger Zellen (TNC)
  • mononukleäre Zellzahl
  • CD34+-positive Zellen
  • koloniebildende Einheiten (CFU-F)
  • Thrombozyten- und Leukozytenkonzentration
  • Hämatokrit und Restanteil roter Blutkörperchen
  • Zellvitalität sowie Ausgangs- und Endvolumen

Mögliche Einsatzbereiche

  • ausgewählte leichte bis mittelgradige Kniearthrose
  • umschriebene Knorpel- und osteochondrale Defekte
  • subchondrale Knochenveränderungen und Knochenmarködeme
  • biologische Ergänzung von AutoCart- oder Minced-Cartilage-Verfahren
  • matrixgestützte Knorpelrekonstruktion
  • ausgewählte Knochenheilungsstörungen
  • bestimmte Sehnen-Knochen-Heilungsprobleme

Ablauf der Behandlung

  1. Untersuchung und Analyse von Röntgen und MRT
  2. Auswahl von Entnahmetechnik und möglicher Konzentration
  3. Sterile Vorbereitung des Beckenkamms
  4. Aspiration mit Jamshidi, Marrow Cellution™ oder Spezialkanüle
  5. Verwendung als BMA oder Konzentration mit Angel® beziehungsweise Miracell®
  6. Anwendung im Gelenk, subchondralen Knochen oder während eines Eingriffes
  7. Individuelle Nachbehandlung und Verlaufskontrolle

Risiken und Grenzen

  • Schmerzen am Beckenkamm
  • Bluterguss oder Nachblutung
  • Infektion
  • vorübergehende Bewegungseinschränkung
  • Reizung kleiner Hautnerven oder benachbarter Strukturen
  • Kreislaufreaktion sowie Risiken von Sedierung oder Narkose
  • vorübergehende Zunahme der Gelenkbeschwerden
  • fehlende oder nur geringe therapeutische Wirkung

BMA oder BMAC können eine endgradige Arthrose, relevante Fehlstellung, Instabilität oder einen großen mechanischen Defekt nicht allein durch eine Injektion beheben.

Häufige Fragen

Nein. BMA und BMAC enthalten eine Mischung aus unterschiedlichen Zellen, Thrombozyten, Plasma- und Signalstoffen.

BMA ist das unmittelbar gewonnene Aspirat. BMAC ist ein durch Zentrifugation auf ein kleineres Volumen konzentriertes Aspirat.

Nein. Das System erzeugt zellreiches BMA ohne klassische Zentrifugation.

Ja. Die Jamshidi-Nadel dient der Entnahme; das Aspirat kann anschließend in einem Konzentrationssystem verarbeitet werden.

Eine generelle klinische Überlegenheit ist nicht nachgewiesen. Geräteprotokoll, Ausgangsqualität und Indikation sind entscheidend.

Eine biologische Unterstützung ist möglich. Ein vollständiger Wiederaufbau bereits zerstörten Gelenkknorpels durch eine alleinige Injektion ist jedoch nicht zuverlässig belegt.

Knochenmarktherapie gezielt planen

Beckenkamm, Entnahmetechnik, Konzentrationssystem und Applikationsort werden individuell auf Diagnose und Gelenkerhaltungskonzept abgestimmt.

Medizinisch geprüft von Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits, MBA
Letzte medizinische Überarbeitung: August 2026