Wiederherstellung von gerissenen Bändern im Kniegelenk

Bandrekonstruktion des Kniegelenkes

Meist sind es Sportverletzungen, die zu einem Riss der Bänder im Kniegelenk führen. Mit einer Bandrekonstruktion kann die Funktion erhalten bleiben. Dabei gibt es verschiedene Methoden und Behandlungsansätze.

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Behandlungsüberblick

Überblick

Bei der Bandrekonstruktion handelt es sich um die Wiederherstellung von verletzten Bandstrukturen der Gelenke. Das Ziel der Behandlung ist ein bandstabiles Gelenk.

  • Ort der Behandlung: Orthopädischer Operationssaal der Privatklinik Döbling

  • Dauer der Behandlung: 90-150 Minuten (je nach operativer Technik)

  • Dauer des Aufenthaltes: 2-3 Tage stationär

  • Schmerzhaft: Operation in Allgemeinanästhesie oder Regionalanästhesie

  • Anzahl der Behandlungen: 1 operativer Eingriff

  • Nachbehandlung: spezielle Physiotherapie für 6-12 Wochen nach der Operation

  • Schonzeit/Sport: Sportbeginn 6-12 Wochen nach der Operation

  • Ausfallzeit: 2-6 Wochen

Funktion der Bänder im Kniegelenk

Die Hauptfunktion von Bändern des Kniegelenkes ist die Stabilisierung des Kniegelenkes. Ein Riss eines oder mehrerer Bänder führt daher zu einem instabilen Kniegelenk, was den Patient an der Ausübung sportlicher Tätigkeiten hindert. Langfristig führt ein instabiles Kniegelenk auch zu einer Fehlbelastung von Knorpel und Meniskus, wodurch diese Strukturen geschädigt werden können.

Bänderriss im Kniegelenk

Ein gerissenes vorderes Kreuzband heilt nicht wieder zusammen, sodass bei aktiven Patienten in der Regel ein Ersatz oder die Rekonstruktion dieses Bandes empfohlen wird. Ebenso ist bei einem Riss des hinteren Kreuzbandes eine operative Ersatzoperation erforderlich

Ein Riss des Innenbandes dagegen muss häufig nicht operiert werden. Meist heilt dieser durch das Tragen einer Schiene für 6 Wochen aus. Risse des Außenbandes müssen allerdings häufig operiert werden. Je nach Lokalisation und Schweregrad des Risses wird das Band genäht, über kleine Knochenanker am Ober- bzw. Unterschenkel angenäht oder mit einer körpereigenen Sehne ersetzt.

Komplexe Bandverletzungen wie Zerreißungen von mehreren Bändern oder erneute Verletzungen nach Bandrekonstruktionen sind meist schwere Verletzungen und teilweise können nicht alle Bänder in einer Operation gleichzeitig ersetzt oder rekonstruiert werden.

Wie es zum Kreuzbandriss kommt

Das vordere Kreuzband stabilisiert das Kniegelenk nach vorne und gegen die Innendrehung. Dementsprechend führen Bewegungen wie ein plötzliches Abstoppen, eine plötzliche Drehbewegung aber auch Landungen nach einem Sprung oft zu Rissen des vorderen Kreuzbandes. Meistens (90%) handelt es sich dabei um vollständige Risse des Bandes, in selteneren Fällen (10%) kommt es zu einem Teil-Riss.

Die Bandrekonstruktion

Die Operation eines gerissenen Kreuzbandes ist die häufigste Bandoperation am Kniegelenk. Die Standardmethode zur operativen Behandlung nach einem Kreuzbandriss ist fast ausschließlich der Ersatz des vorderen Kreuzbandes mit einem Sehnentransplantat. Dabei stehen verschiedene Arten von Eigen- oder Fremdtransplantaten zur Verfügung. Neuere Methoden versuchen das gerissene Kreuzband zu erhalten und zu rekonstruieren.

Die Empfehlung zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Wegweisend sind die subjektiven Instabilitätsbeschwerden nach erfolgtem Aufbau der Muskulatur, die zukünftigen sportlichen Ambitionen, die Begleitverletzungen im Kniegelenk aber auch vorbestehende Schäden im Gelenk sowie das Alter des Patienten.

Der optimale Zeitpunkt für eine Bandrekonstruktion

Nach einer Kreuzbandverletzung zeigt das Gelenk immer eine Entzündungsreaktion, welche meistens ca. 3-8 Wochen anhält. Während dieser Zeit ist das Risiko einer vorübergehenden oder bleibenden Einschränkung der Kniegelenksbeweglichkeit nach einer Kreuzbandoperation erhöht. Deshalb vermeiden wir es, während dieser Zeit eine Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes durchzuführen. Erst wenn das Gelenk vollständig abgeschwollen, schmerzfrei und frei beweglich ist sowie die Muskulatur genügend aufgebaut ist, wird die Operation vorgenommen.

Im Falle einer kreuzbanderhaltenden Methode muss die Operation jedoch zwingend in den ersten 3 Wochen erfolgen, da das Selbstheilungspotenzial des vorderen Kreuzbandes während dieser Zeit am größten ist.

Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes

Bei der Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes werden die Reste des alten Kreuzbandes vollständig entfernt. Der Ersatz erfolgt dann mit einem Sehnentransplantat, welches an der Stelle der ursprünglichen Ansatzpunkte am Oberschenkelknochen und am Schienbein in den Knochen eingezogen wird.

Ersatzplastik eines Teil-Risses des vorderen Kreuzbandes

Nicht bei jeder Verletzung des vorderen Kreuzbandes kommt es zu einem kompletten Riss. Da das Band aus verschiedenen Anteilen besteht, welche sich in unterschiedlichen Beugestellungen anspannen, ist es möglich, dass je nach Beugestellung des Kniegelenks zum Zeitpunkt der Verletzung nur die in diesem Moment angespannten Anteile des Bandes reißen. Es können zwei Haut-Bündel des vorderen Kreuzbandes unterschieden werden: Ein „antero-mediales Bündel“, welches sich bei Beugung des Kniegelenks anspannt sowie ein „postero-laterales Bündel“, welches sich in strecknaher Gelenkstellung anspannt. In speziellen Fällen ist es notwendig, ein isoliert gerissenes Bündel des vorderen Kreuzbandes zu ersetzen. Dabei wird das noch intakte Kreuzbandbündel belassen und nur der verletzte Teil durch ein Sehentransplantat ersetzt. Die Verankerung des Transplantates im Oberschenkelknochen und im Schienbein erfolgt in gleicher Technik wie beim kompletten Ersatz des vorderen Kreuzbandes. Die Nachbehandlung unterscheidet sich nicht von der Nachbehandlung nach Ersatzplastik des vorderen Kreuzbands.

Naht und Stabilisierung des vorderen Kreuzbandes zur Förderung der Selbstheilung

Im Gegensatz zu den bisherigen Operationstechniken wird das verletzte Kreuzband nicht mehr entfernt und mit einer Sehen ersetzt, sondern die noch durchbluteten Bandanteile werden mit Nähten an die richtige Stelle gebracht. Damit wird eine Selbstheilung des eigenen Kreuzbandes ermöglicht.

Für welche Patienten eignet sich diese Methode?

Da mit dieser Methode das Selbstheilungspotential des verletzten vorderen Kreuzbandes genutzt wird, sollte die Verletzung nicht älter als 3 Wochen sein. Nicht alle Kreuzbandrisse eignen sich für eine Bandrekonstruktion. Ob eine bestimmte Verletzung für diese Methode geeignet ist, kann in vielen Fällen auf Grund des MRI-Bildes mit einer hohen Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden. Die definitive Entscheidung muss aber während der Operation getroffen werden.

Vorteile der Bandrekonstruktion

Da eine Heilung des gerissenen Bandes angestrebt wird, ist keine Entfernung der gerissenen Bandanteile notwendig. Es müssen keine Sehnen zur Rekonstruktion entnommen werden. Die ursprünglichen Ansatzpunkte des vorderen Kreuzbandes am Oberschenkelknochen und am Schienbein werden erhalten und somit in ihrer Anatomie nicht verändert.

Die Sport- und Arbeitsunfähigkeit ist im Vergleich zu einer Standard-Kreuzbandoperation kürzer. Die Heilung erfolgt schneller und die Operation kann zudem früher nach dem Unfall erfolgen. Ein Gehen ohne Stöcke ist nach 1-2 Wochen möglich, Fahrradfahren ist nach 4 Wochen erlaubt. Bis zum Erreichen der vollen Sportfähigkeit ist mit einer Dauer von meistens 3 Monaten zu rechnen.

Sollte das Kreuzband nicht wie gewünscht heilen oder das geheilte Kreuzband wieder reißen, ist jederzeit eine Rekonstruktion mit der bisherigen Standardmethode möglich. Dieser Eingriff entspricht dann technisch einer erstmaligen Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes.

Rekonstruktion vor Ersatz

Auch bei Bandverletzungen des Kniegelenkes bleiben wir unserem biologischen Prinzip treu: Rekonstruktion vor Ersatz. Wir versuchen immer zuerst die anatomischen Strukturen wiederherzustellen und zu rekonstruieren. Nur wenn dies nicht möglich ist, ersetzen wir die geschädigten Gewebeteile.

Videos zur Bandrekonstruktion

Im diesem Video der Plattform OrthoIllustrated sehen Sie, wie genau eine Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes vor sich geht. Zunächst müssen mit chirurgischen Instrumenten die benötigten Schritte vorgenommen werden, um dann das Band einzubringen und zu fixieren. Beim Eingriff in diesem Video kommt eine All-Inside-Technik zum Einsatz.

In einem weiteren Video zeigt OrthoIllustrated eine Operation mit einem ThightRope® RT Implantat. Dieses Implantat dient dazu, das gerissene vordere Kreuzband wieder am Knochen zu befestigen und in der richtigen Position zu halten.