AUTOLAGE ZELLTHERAPIE IM VIENNA CARTILAGE CENTER

Zelltherapie aus eigenem Blut

Neben Fettgewebe und Knochenmark können auch körpereigene Blutbestandteile für orthobiologische Behandlungen genutzt werden. Umgangssprachlich wird dies teilweise als „Stammzellentherapie aus dem Blut“ bezeichnet.

Medizinisch genauer handelt es sich um ein autologes Zell- und Thrombozytenkonzentrat aus venösem Vollblut. Das Präparat enthält keine selektiv isolierte reine Stammzellpopulation.

Stammzelltherapie aus Fettgewebe, Knochenmark und Blut zur Unterstützung des Gelenkerhalts

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Entnahme

Sterile venöse Blutabnahme aus einer Armvene

Aufbereitung

Miracell® SMART M-CELL am selben Behandlungstag

Präparat

Zell- und thrombozytenreiche heterogene Fraktion

Welche Zellen befinden sich im peripheren Blut?

Im normalen Blut zirkulieren reife Blutzellen sowie kleine Populationen unreifer Stamm- und Vorläuferzellen.

  • Blutplättchen (Thrombozyten)
  • Leukozyten
  • Monozyten und Lymphozyten
  • kleine hämatopoetische beziehungsweise gefäßassoziierte Vorläuferzellpopulationen
  • Plasma, Wachstumsfaktoren, Zytokine und Chemokine

Was bedeutet CD34+?

CD34 ist ein Oberflächenmarker verschiedener hämatopoetischer, endothelialer und weiterer Vorläuferzellpopulationen. Eine CD34+-positive Zelle ist daher nicht automatisch eine Knorpelstammzelle, und der Marker beschreibt keine einheitliche therapeutische Zellart.

Was ist Miracell® SMART M-CELL?

Miracell® SMART M-CELL ist ein automatisiertes Zentrifugations- und Zellseparationssystem zur Aufbereitung von körpereigenem Blut beziehungsweise Knochenmark. Für die blutbasierte Behandlung wird venöses Vollblut in einem sterilen Einmalsystem verarbeitet.

Die Bestandteile werden nach ihrer Dichte getrennt. Aus der zellreichen Schicht wird eine leukozyten- und thrombozytenreiche Fraktion gewonnen.

Wie erfolgt die Aufbereitung?

  1. Venöse Blutabnahme aus einer Armvene
  2. Zugabe eines definierten Antikoagulans
  3. Automatisierte Zentrifugation und Dichtetrennung
  4. Gewinnung einer zell- und thrombozytenreichen Fraktion
  5. Gezielte Anwendung am selben Behandlungstag

Keine Enzyme, keine Zellkultur, keine Vermehrung, keine Kryokonservierung und keine Spenderzellen.

Thrombozyten

Können nach Aktivierung Wachstums- und Signalstoffe freisetzen, die an Zellkommunikation, Entzündungsregulation und Heilungsprozessen beteiligt sind.

Leukozyten und mononukleäre Zellen

Je nach Protokoll sind unterschiedliche Mengen weißer Blutkörperchen enthalten, die lokale Immun- und Entzündungsprozesse beeinflussen können.

CD34+-haltige Vorläuferzellfraktion

Ein kleiner Teil der kernhaltigen Zellfraktion kann CD34 tragen. Die Population ist heterogen; ohne individuelle Laboranalyse ist keine definierte Zelldosis garantierbar.

Plasma und lösliche Signalstoffe

Zusätzlich enthält das Präparat Plasma, Zytokine, Chemokine und weitere lösliche Faktoren. Die Zusammensetzung hängt von Ausgangsblut und Protokoll ab.

Werden reine CD34+-Stammzellen isoliert?

Nein. Das Miracell®-System trennt Blutbestandteile anhand ihrer Dichte. Es erfolgt keine selektive immunmagnetische oder durchflusszytometrische CD34+-Zellisolierung.

Kann die CD34+-Zellzahl bestimmt werden?

Eine genaue Messung ist nur mit einer spezifischen Laboranalyse, meist mittels Durchflusszytometrie, möglich. Alter, Gesundheitszustand, Leukozytenzahl, Entzündungsstatus, Medikamente und Aufbereitungsprotokoll können die Konzentration beeinflussen.

Ist Miracell® dasselbe wie PRP?

Das Präparat überschneidet sich mit dem Spektrum leukozytenreicher PRP- und autologer Blutkonzentrate. Es enthält konzentrierte Thrombozyten, Leukozyten, Plasma und weitere kernhaltige Zellen.

Es darf nicht als „PRP plus isolierte Stammzellen“ bezeichnet werden, da keine CD34+-spezifische Selektion erfolgt.

Unterschied zu mobilisierten Blutstammzellen

Bei einer Mobilisierung werden Medikamente wie G-CSF eingesetzt, um hämatopoetische Vorläuferzellen aus dem Knochenmark in die Blutbahn auszuschwemmen. Dies geschieht bei der Miracell®-Behandlung aus normalem venösem Blut nicht.

Wie kann das Blutkonzentrat wirken?

  • Freisetzung von Wachstumsfaktoren aus Thrombozyten
  • Beeinflussung lokaler Entzündungsprozesse
  • Kommunikation zwischen Immun-, Gefäß- und Gewebezellen
  • Unterstützung gewebeschützender und reparativer Signale
  • mögliche Verbesserung von Schmerz, Schwellung und Gelenkfunktion

Mögliche Vorteile

  • einfache venöse Blutentnahme
  • keine Beckenkammpunktion
  • keine Fettabsaugung
  • kurze ambulante Durchführung
  • keine Zellkultur oder externe Laborvermehrung
  • Anwendung am selben Tag
  • geringe Belastung der Entnahmestelle

Der geringere Entnahmeaufwand bedeutet nicht automatisch eine stärkere klinische Wirkung als bei Knochenmark- oder Fettgewebepräparaten.

Mögliche Einsatzbereiche

  • ausgewählte leichte bis mittelgradige Kniearthrose
  • chronische Gelenkreizzustände und Schwellungsneigung
  • bestimmte Knorpelschäden als biologische Ergänzung
  • Patientinnen und Patienten ohne geplante Fett- oder Knochenmarkentnahme
  • differenziertes Gelenkerhaltungskonzept

Ablauf im Vienna Cartilage Center

  1. Untersuchung und Analyse von Röntgen beziehungsweise MRT
  2. Prüfung der geeigneten Zellquelle
  3. Sterile venöse Blutabnahme
  4. Aufbereitung mit Miracell® SMART M-CELL
  5. Gezielte Anwendung im Gelenk oder während eines Eingriffes
  6. Relative Schonung und kontrollierter Belastungsaufbau
  7. Klinische Verlaufskontrolle

Risiken und Grenzen

  • Schmerzen oder Bluterguss an der Blutabnahmestelle
  • Kreislaufreaktion
  • vorübergehende Gelenkschmerzen, Druckgefühl oder Schwellung
  • entzündliche Reaktion nach der Injektion
  • Nachblutung oder Infektion
  • Reizung benachbarter Strukturen
  • fehlender oder nur vorübergehender therapeutischer Effekt

Wichtige Grenze: Das Präparat kann keine Fehlstellung korrigieren, kein instabiles Gelenk stabilisieren, keinen Meniskusriss mechanisch reparieren und keine definierte Menge reiner Stammzellen garantieren.

Häufige Fragen

Im peripheren Blut zirkulieren kleine Mengen hämatopoetischer und weiterer Vorläuferzellen. Ihre Konzentration ist wesentlich geringer als im Knochenmark oder nach medikamentöser Mobilisierung.

Nein. CD34 ist ein Oberflächenmarker unterschiedlicher Stamm-, Vorläufer- und Gefäßzellpopulationen.

Nein. Das System konzentriert eine dichteabhängige Zell- und Thrombozytenfraktion ohne CD34+-spezifische Selektion.

Nein. Es erfolgt keine hämatologische Mobilisierung, Apherese, Konditionierung oder intravenöse Stammzelltransplantation.

Ein vollständiger und dauerhafter Wiederaufbau zerstörten Gelenkknorpels durch eine alleinige Miracell®-Injektion ist derzeit nicht zuverlässig nachgewiesen.

Die Auswahl richtet sich nach Diagnose, Gelenkmechanik, Arthrosestadium, Behandlungsziel, Entnahmeaufwand und wissenschaftlicher Evidenz des konkreten Verfahrens.

Blutbasierte Zelltherapie differenziert einsetzen

Geringer Entnahmeaufwand, aber klare medizinische Einordnung: Diagnose, Gelenkmechanik und realistische Ziele bestimmen die Auswahl.

Medizinisch geprüft von Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits, MBA
Letzte medizinische Überarbeitung: August 2026