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Zelltherapie aus eigenem Fettgewebe

Körpereigenes Fettgewebe wird seit vielen Jahren in der regenerativen Medizin eingesetzt. Umgangssprachlich werden diese Behandlungen häufig als „Fettstammzelltherapie“ bezeichnet. Tatsächlich umfasst dieser Begriff eine Reihe biologisch und technisch unterschiedlicher Verfahren.

Je nach Entnahme und Aufbereitung entsteht erhaltenes oder mikrofragmentiertes Fettgewebe, eine mechanisch gewonnene stromale Gewebefraktion, eine enzymatisch isolierte Zellfraktion oder ein kultiviertes Zellprodukt.

Stammzelltherapie aus Fettgewebe, Knochenmark und Blut zur Unterstützung des Gelenkerhalts

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Ausgangsmaterial

Körpereigenes Fettgewebe, meist aus Bauch oder Flanke

Verfahren

Microfat, MFAT, Lipogems®, Liposmart®, tSVF und cSVF

Realistisches Ziel

Weniger Beschwerden und Unterstützung des biologischen Gelenkmilieus

Fettgewebe als Zell- und Matrixquelle

Fettgewebe besteht nicht nur aus reifen Fettzellen. Es enthält eine komplexe biologische Nische mit Matrix-, Gefäß- und Zellbestandteilen. Abhängig von der Aufbereitung bleibt diese Architektur erhalten oder wird in einzelne Bestandteile aufgetrennt.

Warum ist Fettgewebe biologisch interessant?

  • extrazelluläre Matrix
  • kleine Blutgefäße und Endothelzellen
  • Perizyten und perivaskuläre Zellen
  • Immunzellen
  • stromale Vorläuferzellen
  • Wachstumsfaktoren, Zytokine und weitere Signalstoffe

Gewaschenes Lipoaspirat

Bei der einfachsten Aufbereitung wird das schonend gewonnene Fettgewebe gereinigt. Blutreste, Tumeszenzlösung, freie Ölbestandteile, überschüssige Flüssigkeit sowie Zell- und Gewebetrümmer werden reduziert.

Das Endprodukt enthält weiterhin Fettzellen, Bindegewebe, Gefäßstrukturen, Matrixbestandteile und verschiedene stromale Zellpopulationen. Eine gezielte Isolation einzelner Stamm- oder Stromazellen findet nicht statt.

Microfat beziehungsweise Mikrofett

Microfat ist kleinpartikuläres körpereigenes Fettgewebe. Es wird über feine Kanülen entnommen und gewaschen, gefiltert oder vorsichtig mechanisch aufbereitet.

  • kleine Fettgewebecluster
  • Fettzellen und extrazelluläre Matrix
  • Gefäß- und Bindegewebsanteile
  • stromale Vorläuferzellen
  • biologische Signalstoffe

Mikrofragmentiertes Fettgewebe – MFAT

MFAT steht für „microfragmented adipose tissue“. Das Fettgewebe wird mechanisch gereinigt und in kleinere Gewebecluster überführt. Üblicherweise werden keine Enzyme eingesetzt, keine Zellen kultiviert und keine Zellpopulationen im Labor vermehrt.

Medizinisch korrekt ist daher die Bezeichnung autologes mikrofragmentiertes Fettgewebe – nicht reines Stammzellkonzentrat.

  • ausgewählte leichte bis mittelgradige Kniearthrose
  • chronische Gelenkreizzustände
  • bestimmte Knorpelschäden
  • biologische Ergänzung eines Gelenkerhaltungskonzeptes

Lipogems®

Ein geschlossenes Einmalsystem zur mechanischen Reinigung und Mikrofragmentierung von Lipoaspirat. Es erfolgt keine enzymatische Zellisolierung und keine Zellkultur.

  • geschlossenes aseptisches System
  • Reduktion von Blut, freiem Öl und Gewebetrümmern
  • Erhalt von Anteilen der Gewebemikroarchitektur

Liposmart® und UFAT

Liposmart® ist ein geschlossenes mechanisches Aufbereitungssystem. UFAT ist eine herstellerspezifische Bezeichnung und keine eigene Stammzellart.

  • mechanische Aufbereitung
  • keine Enzyme oder externe Vermehrung
  • Matrix sowie stromale und perivaskuläre Zellpopulationen

Mechanische stromal-vaskuläre Fraktion – tSVF

Bei einer mechanischen tSVF wird Fettgewebe intensiver bearbeitet. Je nach Verfahren kommen Filtration, Scherung, Emulgierung, Zentrifugation oder wiederholte Spritzenpassagen zum Einsatz.

Stromale Gewebebestandteile, Matrixstrukturen und verschiedene Zellpopulationen verbleiben teilweise im Gewebeverbund. tSVF ist keine freie reine Zellsuspension.

Enzymatische stromal-vaskuläre Fraktion – cSVF

Bei der enzymatischen Gewinnung wird die natürliche Fettgewebsmatrix meist mit Kollagenasen aufgeschlossen. Nach Wasch- und Zentrifugationsschritten entsteht eine heterogene Zellsuspension.

  • stromale Vorläuferzellen
  • Endothelzellen und Perizyten
  • Fibroblasten
  • Makrophagen, Lymphozyten und weitere Immunzellen

Kultivierte adipose-derived Stromazellen

Bestimmte Zellpopulationen können isoliert und über Tage oder Wochen im Labor vermehrt werden. Solche expandierten Zellprodukte unterscheiden sich grundlegend von einer Point-of-Care-Behandlung und unterliegen erweiterten Qualitäts- und regulatorischen Anforderungen.

Nanofat

Nanofat entsteht durch intensive mechanische Emulgierung und Filtration. Das Verfahren wurde vor allem für Haut, Narben und oberflächliche Gewebe entwickelt. Für intraartikuläre Anwendungen und strukturellen Knorpelaufbau ist Nanofat kein einheitlich etablierter Standard.

Welches Fettgewebeverfahren ist das beste?

Eine allgemein überlegene Methode ist derzeit nicht nachgewiesen. Mehr Aufbereitung, eine höhere Gesamtzellzahl oder ein Produktname bedeuten nicht automatisch eine bessere klinische Wirkung.

  • genaue Diagnose und Arthrosestadium
  • konkretes Endprodukt und standardisierte Aufbereitung
  • Erhalt oder Auflösung der natürlichen Matrix
  • wissenschaftliche Evidenz des tatsächlich eingesetzten Verfahrens
  • Gelenkmechanik und Zustand des subchondralen Knochens
  • Erfahrung des Behandlungsteams
  • realistische Therapieziele und strukturierte Nachbehandlung

Mögliche Einsatzbereiche

  • ausgewählte leichte bis mittelgradige Kniearthrose
  • chronische Gelenkreizzustände
  • bestimmte umschriebene Knorpelschäden
  • biologische Ergänzung gelenkerhaltender Verfahren
  • Situationen nach unzureichender Wirkung konservativer Maßnahmen

Ablauf der Fettgewebetherapie

  1. Klinische Untersuchung, Röntgen- und MRT-Analyse
  2. Auswahl der geeigneten Fettgewebemethode
  3. Entnahme einer kleinen Fettgewebemenge, meist aus Bauch oder Flanke
  4. Geschlossene mechanische oder methodenspezifische Aufbereitung
  5. Gezielte intraartikuläre oder operative Anwendung
  6. Kurze Überwachung und individuelle Nachbehandlung

Risiken und Grenzen

  • Schmerzen, Bluterguss oder Schwellung an der Entnahmestelle
  • Serom oder Nachblutung
  • vorübergehende Sensibilitätsstörung oder Reizung kleiner Hautnerven
  • Infektion
  • Gelenkreizung nach der Anwendung
  • Risiken einer Sedierung oder Kurznarkose
  • fehlende oder nur vorübergehende Wirkung

Wichtige Grenze: Fettgewebebasierte Verfahren können keine Achsfehlstellung korrigieren, kein instabiles Gelenk stabilisieren und keinen großen mechanischen Defekt allein durch eine Injektion rekonstruieren.

Häufige Fragen

Nein. Microfat ist kleinpartikuläres Fettgewebe; Lipogems® ist ein System zur MFAT-Herstellung; SVF bezeichnet je nach Methode eine mechanische Gewebefraktion oder eine enzymatisch isolierte heterogene Zellfraktion.

Es enthält stromale Vorläuferzellen und andere biologisch aktive Zellpopulationen innerhalb der Gewebestruktur, aber kein reines oder exakt dosiertes Stammzellprodukt.

Nein. UFAT ist eine herstellerspezifische Bezeichnung für mit Liposmart® aufbereitetes autologes Fettgewebe.

Eine stärkere Isolierung von Zellen bedeutet nicht automatisch eine bessere klinische Wirkung. Die Präparate unterscheiden sich qualitativ und regulatorisch.

Laborbiologisch besitzen bestimmte Stromazellen ein Differenzierungspotenzial. Ein vollständiger und dauerhafter Knorpelaufbau durch eine einfache Gelenkinjektion ist klinisch jedoch nicht zuverlässig nachgewiesen.

Fettgewebetherapie individuell beurteilen

Aktuelle MRT- und Röntgenbilder, Gelenkmechanik und Arthrosestadium entscheiden darüber, ob und welches Fettgewebeverfahren sinnvoll sein kann.

Medizinisch geprüft von Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits, MBA
Letzte medizinische Überarbeitung: August 2026