Mit dem MOCART Scoring-Verfahren stellten Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits und ein Team aus Kolleginnen und Kollegen von der Medizinischen Universität Wien im Jahr 2004 eine neue Methode zur Bewertung von Knorpelreparaturgewebe vor. Die Einführung dieses Verfahrens haben wir Ihnen in unserem Blogbeitrag MOCART: Bewertung von Knorpelreparaturen – Teil 1 beschrieben. 15 Jahre später entwickelten Dr. Marlotivs und sein Team das innovative Verfahren in einer neuen Studie weiter, um es auf die veränderten Rahmenbedingungen und neuen Entwicklungen in der Diagnostik und Bildgebung anzupassen. Wie sich MOCART dadurch verändert hat und welchen erweiterten Nutzen es dadurch liefert, soll heute unser Thema sein.

Ursprungsstudie 2004

Die Entwicklung des ursprünglichen Verfahrens fand zu Beginn des Jahrtausends als logische Konsequenz vieler neuer Techniken zur Behandlung von Knorpelschäden statt. Die erweiterten Möglichkeiten der operativen Knorpelreparatur machten ein objektives System zur Beurteilung der Behandlungserfolge notwendig. Diese Methode lieferte Dr. Marlovits mit MOCART. MOCART steht für Magnetic Resonance Observation of Cartilage Repair Tissue und macht sich – wie der Name vermuten lässt – die Magnetresonanztomographie für die Bewertung der operativen Eingriffe zunutze. Für das Scoring wurden in der Ursprungsstudie aus dem Jahr 2004 folgende neun verschiedene Variablen festgelegt, die sich mithilfe der MRT-Technologie im Knie bewerten lassen:

  1. Grad der Defektauffüllung, Dicke des Reparaturgewebes
  2. Integration des Reparaturgewebes in der Randzone
  3. Oberfläche des Reparaturgewebes
  4. Struktur des Reparaturgewebes
  5. Signalstärke des Reparaturgewebes im Vergleich zum gesunden Gewebe
  6. Zustand der subchondralen Lamina
  7. Zustand des subchondralen Knochens
  8. Ob Adhäsionen vorhanden sind
  9. Ob Synovitis vorhanden ist

Erste Anpassungen

Im Jahr 2006 wurde im Rahmen der Studie “Magnetic resonance observation of cartilage repair tissue (MOCART) for the evaluation of autologous chondrocyte transplantation: Determination of interobserver variability and correlation to clinical outcome after 2 years” erste Anpassungen vorgenommen. Das Ziel der Studie, bei der 13 Patienten nach operativen Knorpelreparaturen untersucht wurden, war die weitere Validierung des MOCART-Verfahrens durch Evaluierung, Analyse und Beschreibung verschiedener Parameter. Außerdem nahm sie die Interobserver-Variabilität unter die Lupe, um die Beziehung zwischen den subjektiven klinischen Ergebnissen und den radiologischen Ergebnissen des MOCART Scorings einzuschätzen. Im Zuge dieser Studie wurde die ursprüngliche Variable Synovitis durch die Variable Gelenkerguss ersetzt. Damit sollte definiert werden, ob sich mehr als 1 cm an Flüssigkeit im Gelenk angesammelt hat.

MOCART 2.0 in 2019

15 Jahre nach der Einführung des Scoring-Verfahrens unterzog Dr. Marlovits die Methode einer weiteren, diesmal umfassenden Überarbeitung. Mit MOCART 2.0 reagierten er und sein Team auf die veränderten Möglichkeiten und Bedingungen im Rahmen der MRT-Bildgebung. Auch die Variablen wurden neu bewertet und geordnet. Neu ist bei MOCART 2.0, dass nun mit 7 definierten Variablen gearbeitet wird. Dafür adaptieren und modifizierten die Forscher die ursprünglichen Variablen. Gemeinsam können diese 7 Faktoren nun einen Bewertungsscore von 0 bis 100 ergeben und liefern so ein objektives Bild des Behandlungserfolges.

Neue Ideen und Namen

Die Anpassungen zu MOCART 2.0 waren notwendig geworden, um den Verbesserungen bei den Magnetspulen und der MRI-Software Rechnung zu tragen. Außerdem verhindert eine optimierte Namensgebung der einzelnen Variablen die Möglichkeit unterschiedlicher Interpretationen der Bewertungsfaktoren. Das Ziel der Studie aus 2019 war es, ein effektives und zeitgemäßes Update für die MOCART-Methode zu liefern.

7 Variablen für MOCART 2.0

Für die überarbeitete Version des MOCART-Verfahrens wurden die drei Variablen, Zustand der subchondralen Lamina, Adhäsionen und Synovitis bzw. Gelenkerguss durch die neue Variable “Knöcherner Defekt” ersetzt. Denn durch die fortschreitende Entwicklung der autologen Knorpelzelltransplantation wurden etwa Adhäsionen immer seltener. Außerdem wurde die Variable Gelenkerguss verworfen, um mehr Gewicht auf die morphologische Bewertung des Reparaturgewebes zu legen. Denn ein Erguss kann zwar Symptome hervorrufen, muss dabei aber nicht unbedingt mit dem Erfolg der Behandlung zusammenhängen. Aus der Variable “Integration des Reparaturgewebes in der Randzone” wurde der Faktor “Integration in das benachbarte Gewebe” entwickelt, damit es keine Überschneidungen mit den Variablen “Knöcherner Defekt” und “Subchondrale Veränderungen” gibt.

Zu guter Letzt entwickelte Dr. Marlovits einen farbkodierten Atlas, der neben dem MRT-Bild ein bearbeitetes Bild mit farbigen Overlay für jeden Wert aller Variablen zeigt.

MOCART 2.0 Vortrag

Im Rahmen des ICRS Webinars Imaging in Cartilage Repair am 29.09.2021 stellt Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits das MOCART Scoring-Verfahren persönlich in seinem Vortrag “Overview about Scores in Cartilage Repair: from AMADEUS to MOCART” vor. Alle Details zum Webinar finden Sie im Blogbeitrag ICRS Webinar Imaging in Cartilage Repair am 29.09.